Malawibuntbarsche sind bis auf eine einzige Ausnahme, die fast gar nicht in Aquarien gepflegt wird, Maulbrüter im weiblichen Geschlecht. Das heißt, dass das Weibchen die befruchteten Eier nach dem Balz- und Paarungsritual ins Maul aufnimmt und dort für 14 bis 21 Tage ausbrütet. Die Jungen werden anschließend aus dem Maul entlassen und noch gelegentlich bei Gefahr wieder aufgenommen. Dieses Verhalten zeigen die farbenfrohen Cichliden auch im Aquarium und sind nicht zuletzt deshalb bei Aquarianern so beliebt.

Das Verhalten ist für den einen oder anderen (Hobby-)Züchter zu wenig effektiv, so dass die Jungen noch vor dem Entlassen aus dem Maul dem Weibchen zwangsweise entnommen werden. Dazu werden die Weibchen aus dem Becken herausgefangen und mit Daumen und Zeigefinger hinter den Kiemendeckeln in die Hand genommen. Mit Schüttelbewegungen werden die Jungfische anschließend aus dem Maul des tragenden Weibchens herausgeschüttelt.

Was bedeutet das Vorgehen für die Buntbarsche?

Zunächst ist das der maximale Stress für das Weibchen, das durch die Tage des Fastens und der Brutpflege bereits körperlich geschwächt ist und dann mit einem Kescher durch das Aquarium gehetzt wird. In dieser Situation muss sie um ihr eigenes Leben und das der Brut fürchten und alles versuchen das Überleben zu sichern. Nach dieser Hetzjagd wird der Fisch in aller Regel irgendwann doch gefangen. Der Stress wird aber noch gesteigert, indem das Weibchen in die Hand genommen wird und ihm der Nachwuchs, dessen Überlegen und Pflege in dieser Zeit absolute Priorität hat, entrissen.

Weibchen, denen die Brut ausgeschüttelt wurde, machen oft eine längere Pause, bis sie wieder bereit sind, für Nachwuchs zu sorgen. Oft sind der Stress und Verletzungen der Schleimhaut Auslöser für folgende Erkrankungen der Fische.

Nicht nur die ausgeschüttelten Weibchen tragen Folgen davon, sondern auch die Jungtiere. Es ist offenbar bereits von vielen Malawihaltern beobachtet worden, dass sich Zierfische, die auf diese Weise nachgezüchtet wurden, äußerst schwer tun, wenn es um die eigene Brutpflege geht. Oft brauchen die Weibchen dann mehrere Anläufe, bis sie selbst Jungtiere durchbekommen oder schaffen es überhaupt nicht.

Was sind die Alternativen?

Wer Malawibuntbarsche nachziehen will, weil er seine Freude am tollen Brutpflegeverhalten hat und gerne sieht, wie sich die Jungfische entwickeln, muss gar nichts tun. Ein paar Jungfische werden in einem passend eingerichteten Malawiaquarium, das mit seinen Steinaufbauten dem Nachwuchs ausreichend Versteckmöglichkeiten bietet, immer durchkommen. Selbstverständlich ist damit keine Ausbeute zu erzielen, die es einem professionellen Züchter ermöglichen würde, kostendeckend oder sogar gewinnorientiert zu arbeiten. Wer diesen Fokus hat, sollte seine Zuchtfische in ein eigenes Aquarium setzen und dann das Männchen herausfangen, sobald das Weibchen die Brut im Maul hat. Auf diese Weise wird zwar das Männchen gestresst, es besteht aber keine Gefahr, dass das Weibchen den Laich in Folge des Herausfangens verschluckt. Das Weibchen kann dann in aller Ruhe die Brutpflege betreiben und wird auch nicht durch ein balzendes Männchen belästigt. Die Ausbeute ist in aller Regel genauso hoch, wie beim Ausschütteln.

Fazit:

Wer auf das Wohl seiner Tiere achtet, sollte auf alle Fälle selbst auf das Ausschütteln verzichten. Dazu gibt es keinen sinnvollen Grund. Wer einen Schritt weitergehen will, sollte auch solche Züchter meiden, die auf diese Weise arbeiten. Auch aus Selbstzweck, denn ob die auf diese Weise gewonnenen Nachzuchten, ihr volles Verhaltensspektrum zeigen werden, ist alles andere als sicher.

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Thomas "Tom" Thammer ist Webentwickler der ersten Stunden und begeisterter Aquarianer seit Kindheit. Mit seiner Community www.einrichtungsbeispiele.de hat er die besucherstärkste Aquaristik-Seite im deutschsprachigen Netz geschaffen.
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